Zu einem Interview anlässlich der Verleihung des Titels Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SOR/SMC) an die Friedrich-List-Schule begrüßen wir als Vertreter/-innen der Projektgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ Gübra Torun (KAS 14a), Zoe Zwiebelman (BG 13e) und Dawan Razak (BG 13f).

„Jeder in dieser Gruppe ist eine Säule für das Projekt Schule ohne Rassismus“

Wer verbirgt sich hinter der Projektgruppe? Seit wann besteht sie?

Zoe: Wir sind jetzt eine Gruppe von 13 Schülerinnen und Schülern und vier Lehrkräften (siehe Kasten). Die Schüler/-innen kommen aus allen drei Vollzeitbildungsgängen, also BW, KA und BG.

Gübra: Wir kommen aus verschiedenen Jahrgängen und aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Einige von uns haben einen türkischen, andere einen irakischen oder arabischen Hintergrund. Natürlich gibt es Mädchen und Jungen.

Dawan: Wir existieren seit März 2015. Wir drei sind von Anfang an dabei. Zunächst waren wir weniger, aber durch die Unterschriftenaktion haben wir dann neue Mitglieder gefunden. Einige wurden auch von Lehrkräften angesprochen. Alle fanden die Idee super, sich um den Titel Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zu bewerben.

Was waren die ersten Schritte in der Projektgruppe?

Zoe: Zunächst haben wir uns in der Gruppe mit dem Thema auseinandergesetzt. Wir wollten das Vorhaben und was dahinter steht genau kennenlernen.

Dawan: Dann sind wir in der Lehrer- und Schulkonferenz aufgetreten, haben für das Projekt geworben und jeweils die Zustimmung bekommen.

Und dann kam die Unterschriftenaktion?

Gübra: Zunächst besuchten wir einen Workshop zum Thema Schule ohne Rassismus in Bad Segeberg. Der hat viel gebracht!

Zoe: Der Workshop wurde von der Landesbeauftragten des Projekts Schule ohne Rassismus in Schleswig-Holstein, Frau Medi Kuhlemann, veranstaltet.

Dawan: Dort konnten wir uns mit den Fakten zum Rassismus auseinandersetzen aber auch mit Songtexten zu dieser Problematik. Schließlich haben wir sogar Videoclips gedreht.

„Die Unterschriftenaktion war toll und auch das Kletterprojekt“

Wie ging es dann weiter?

Gübra: Nun kam die Unterschriftenaktion. Mindestens 70 % aller Menschen an der Schule mussten sich selbst verpflichten für eine Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage einzutreten. Wir haben fast 80 % aller Schüler, Lehrkräfte und Mitarbeiter der FLS dafür gewinnen können.

Dawan: Die Unterschriftenaktion war auch deshalb toll, weil wir mit ganz vielen Leuten ins Gespräch gekommen sind und ja auch neue Mitglieder für unsere Gruppe gefunden haben.

Aber dann gab es doch weitere Aktivitäten, die es bis in die Lübecker Nachrichten geschafft haben?

Zoe: Hervorzuheben ist da unsere Kleidersammlung „winter is coming“. Da haben wir zusammen mit der Emil-Possehl-Schule soviel Kleiderspenden für bedürftige Flüchtlinge in Lübeck sammeln können, dass wir 50 Umzugskartons damit gefüllt haben. Diese wurden dann vom Malteser Hilfsdienst und dem Lübecker Flüchtlingsforum weiter verteilt.

Gübra: Als zweites ist unser Patenprojekt für die Flüchtlingsklassen zu nennen. Jeder dieser jugendlichen Flüchtlinge hat ein oder zwei Schüler der FLS als Paten zur Seite gestellt bekommen. Sie sollen helfen, sich in der Schule und in Lübeck bzw. in Deutschland zurechtzufinden. Es geht also nicht nur um Unterstützung beim Vokabellernen sondern auch um Begleitung in der Freizeit.

(Anmerkung der Redaktion: An der FLS gibt es zwei Klassen mit berufsschulpflichtigen Flüchtlingen, die allgemein als DaZ-Klassen, Deutsch als Zweitsprache-Klassen, bezeichnet werden. An der FLS sprechen wir von IV-Klassen für Internationale Vorbereitung.)

Dawan: Dabei haben wir mit den Schulsozialarbeiterinnen von Invia zusammengearbeitet. Alle Paten wurden auf ihre Aufgabe vorbereitet und werden auch weiter betreut.

Zoe: Besonders toll war das Kletterprojekt, das wir mit den IV-Schülern und ihren Paten im Kletterzentrum Lübeck durchgeführt haben. Ich will noch mal sagen, das Patenprojekt ist ein Prozess, bei dem immer wieder neue Freiwillige gesucht werden, weil Paten inzwischen ihren Abschluss geschafft haben und die Schule verlassen oder auch neue Flüchtlinge kommen.

„Ich bin ganz stolz, dass wir so weit gekommen sind“

Was empfinden Sie angesichts der nun geglückten Zuerkennung des Titels Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage?

Gübra: Ich bin ganz stolz, dass wir so weit gekommen sind. Alle haben an einem Strang gezogen. Die Gruppe ist an ihrer Aufgabe gewachsen und auch zusammengewachsen.

Dawan: Ich finde den Titel für die FLS ganz passgenau. Wir sind ja eine Art Schmelztiegel verschiedener Nationen und Kulturkreise an unserer Schule. Außerdem finde ich es wichtig gegenüber Diskriminierungen und Rassismus wachsam zu bleiben und notfalls dagegen aufzutreten.

Zoe: Wir haben auch selbst ganz viel aus diesem Projekt ziehen können. Wir wurden und werden mit ganz unterschiedlichen Aufgabenstellungen konfrontiert. Der Einsatz für das Ziel SOR/SMC hat unseren Horizont erweitert und zur Selbstentwicklung unbedingt positiv beigetragen.

„Um die Gruppe ist uns nicht bange“

Der Titel SOR/SMC ist auch eine Selbstverpflichtung für die Zukunft. Welches sind die nächsten Aktivitäten, die Sie sich vorgenommen haben?

Zoe: Wir drei sind in Abschlussklassen und werden die Schule im Sommer verlassen. Aber um die Gruppe ist uns nicht bange. Es bleiben genügend Mitglieder aus den jüngeren Jahrgängen. Es wird auch um neue Mitglieder geworben.

Dawan: Jeder ist eine Säule in dieser Gruppe. Die Kontinuität ist gewahrt, der Staffelstab wird weiter gereicht.

Gübra: Die Arbeit der Gruppe wird darin bestehen, die neuen Schüler/-innen über das Projekt SOR/SMC zu informieren, eventuell weitere Mitstreiter zu finden.

Zoe: Einmal im Jahr soll ein Themen- oder Projekttag zu Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage stattfinden.

Dawan: Und natürlich muss man reagieren, sollten irgendwelche Diskriminierungstendenzen sichtbar werden oder sich ein konkreter Fall diesbezüglich ereignen.

Zoe: In jedem Fall wird es weiter gehen, die Friedrich-List-Schule wird sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage muss jedes Jahr neu gerechtfertigt werden.

Wir danken für das Gespräch und wünschen alles Gute auf dem weiteren Lebensweg.

Ernst-Henning Rohland

Interview mit der Projektgruppe
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