„Ohne Kenntnis der Vergangenheit, gibt es keinen Weg in die Zukunft.“ –

Isaak Emmanuilowitsch Babel (1894 – 1940)

Dieses Zitat könnte man als jene Motivation verstehen, mit der sich die Berufsschulklasse der Groß- und Außenhandelskaufleute ,GA16B, dazu entschloss, an dem Aktionstag „Schule ohne Rassismus“ einen nachhaltig eindrucksvollen Blick in die deutsche Vergangenheit zu werfen.

Ausflugsziel: Gedenkstätte Ahrensbök – ohne Navi keine Chance, denn für alle Schüler war der Besuch dort eine Premiere. Die Gedenkstätte Ahrensbök befindet sich direkt an der Bundesstraße 432 in einer alten Villa eines Fabrikleiters, welche 1933 zu einem Konzentrationslager umfunktioniert wurde.

Kurz nach unserer Ankunft wurden wir auch schon herzlich von zwei der Initiatoren der Gedenkstätte, Frau Metzner-Zinssmeisterund Herrn Dr. Fürniß, empfangen. Die Führung kann grob in drei Abschnitte aufgeteilt werden: das frühe KZ, Schule im Nationalsozialismus und „Todesmarsch Ausschwitz – Ahrensbök“.

In dem 1933 eröffnetem KZ Ahrensbök wurden über drei Monate hinweg insgesamt 300 Insassen festgehalten. Zu Ihnen gehörten Anhänger von Arbeiterbewegungen, Sozialdemokraten, „arbeitsscheue Landstreicher“ und Menschen, welche sich „staatsfeindlich“ betätigten. Aus Sicht der NSDAP diente die Haft als Schutzhaft, um eine Umerziehung und schließlich eine „Förderung“ der Häftlinge herbeizuführen. Die Insassen wurden im Zuge des „freiwilligen“ Arbeitsdienstes dazu gezwungen, Arbeit für das aufkommende Deutsche Reich zu verrichten, insbesondere dem Wegebau: „Noch heute wandern wir auf den Wegstrecken in Ostholstein, die damals angelegt wurden: die Strandpromenaden in Scharbeutz und Timmendorf, die Brücke über den Eutiner See […]“, heißt es auf einer der Informationstafeln.

Das KZ Ahrensbök wurde im Mai 1934 aufgelöst und in eine nationalsozialistische Schule umgewandelt. So hingen an den Wänden des Klassenzimmers Tafeln der Rassenlehre, einfache Matheaufgaben wurde in rassistische Textaufgaben umgeschrieben und anstelle des Sportunterrichts wurden die Schüler schon in jungen Jahren mit Krieg, Militär und Waffen vertraut gemacht.

Den letzten Abschnitt unserer Führung bildete das eigenständige Erarbeiten und nachträgliche Besprechen der Kurzbiographien von fünf ehemaligen Insassen des KZ Ausschwitz-Fürstenwalde. Sie wurden im Zuge des Todesmarsches von Fürstenwalde , einem Außenlager des KZ Ausschwitz, zwischen Januar und Mai 1945 nach Ahrensbök getrieben. Leiter des Todesmarsches war der in Ahrensbök geborene SS-Oberscharführer Max Schmidt, mit welchem die Initiatoren der Gedenkstätte kurz vor seinem Tod ein Interview führten und so in der Lage waren, Ihre Eindrücke dieser Person mit uns zu teilen. Sie schafften es zudem, mit allen fünf o.g Insassen in Kontakt zu treten und diesen über Jahre hinweg aufrecht zu erhalten.

Alle Berufsschüler waren sich einig, dass sie der Besuch in der Gedenkstätte Ahrensbök -auch aufgrund der Nähe zu Lübeck – emotional, nachhaltig und eindrucksvoll beschäftigt hat und weiterhin tun wird.

 

 

 

 

Die GA 16b besucht die Gedenkstätte Ahrensbök

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